Als am Samstag um 4 Uhr früh der Wecker klingelte, kroch zunächst ein zweifelndes „Muss das wirklich sein?“ über die Vorfreude der letzten Tage, dass wir an der diesjährigen Bilac teilnehmen werden. Mathilda war zur Reise nach Neuchâtel schon am Vortag mit den Säckinger Ruderkollegen aufgebrochen, uns war das wegen verschiedener Schwierigkeiten leider nicht möglich gewesen.

Als wir im Morgengrauen am Neuenburger See ankamen, wo die vielen Boote schon startklar gemacht wurden, war die letzte Müdigkeit verflogen und wir bereiteten uns mit freudiger Erwartung auf die Regatta vor. 30 Kilometer – wie würde es uns dabei gehen, wie können wir mit unserer zwar recht seetüchtigen, aber nicht unbedingt flotten und etwas behäbigen Mathilda mithalten? Und werden wir bei dem geplanten Coxwechsel nicht unnötig viel Zeit verlieren?

Die Regatta begann, schnell war die Kühle des Morgengrauens einem sonnigen, warmen Spätsommertag gewichen. Wunderschönes Wetter, das Wasser ruhig, auch für uns Flussruderer kein Problem mit Wellen. Die ersten Kilometer auf dem Neuenburger See mit gleichmäßigem Streckenschlag zeigten uns, dass wir mit vielen anderen Teilnehmern ganz ordentlich mithalten konnten. „Jetzt, 20 Dicke“, dann wieder ruhigerer Schlag und nochmal kräftige, so ging es eifrig Richtung Seeende, wo die etwas längere Kanalstrecke beginnt.

Wir hatten uns zur Einfahrt einen guten Platz errudert und so gab es keine wirklichen Hindernisse auf der nächsten Etappe vor uns. Der erste Wechsel auf den Steuerplatz gelang dann auch halbwegs ordentlich, wenngleich es vor allem wegen der Stemmbretteinstellung etwas Zeit kostete, aber eine kurze Pause kam natürlich auch nicht ungelegen. Bald erreichten wir den Bieler See. Achtung auf die Bojen, will uns da ein Boot überholen? Dann wieder ein paar Zwischenspurts mit höherer Schlagzahl und mehr Druck, konzentriert euch weiter und keine Erschöpfung rankommen lassen!

Auch wenn es keine Wanderfahrt sein sollte, zog eine wunderschöne ruhige Landschaft an uns vorbei, die Jurabergketten am Ufer mit Weinbergen, mit kleinen alten Dörfern, traditionellen Häusern und Kirchtürmen, größere Waldstücke, welche die ersten Herbsttage teilweise schon ein bisschen verfärbt hatte oder war es der trockene Sommer? Wir weiter auf dem blauen Wasser, bald konnte man auf Steuerbord die Petersinsel erkennen, auf der Rousseau eine Zeit lang gelebt und geschrieben hatte.

Das Ziel rückte näher, der zweite Coxwechsel brachte noch einmal ausgeruhte Kraft in die Riemen. Innerlich mitzählen … noch 5 Kilometer, ist ja weniger wie Bootshaus – Stauwehr und zurück, noch 3 Kilometer, bald das Ziel in Sicht. Die letzten Reserven für den Endspurt und wir erreichten müde, aber glücklich die Bucht vor dem schönen Uferplatz, auf dem die Organisatoren den Empfang mit Verpflegung, Getränken, Kaffee und teils schattigen Sitzplätzen vorbereitet hatten. Einige von uns sprangen kurz ins Wasser, konnten dabei Arme, Beine und den Rücken locker entspannen und im Wasser ruhig bewegen, ohne dass Blasen an den Fingern und Händen drohen.

Mathilda hat sich tapfer geschlagen und wir haben unser Mögliches getan, sie dabei zu unterstützen, ihr nicht in den Rücken zu fallen. Wir haben den Eindruck, dass uns das ganz gut gelungen ist. Natürlich ist klar, dass sie mit jungen Rennruderern in Rennbooten nicht auf Augenhöhe mithalten konnte, aber das hatten wir auch nicht von ihr erwartet.

120 Boote am Start, Rennboote, Gigs, Riemen- und Scull-geriggert, Mannschaften unterschiedlichen Alters aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Holland, Österreich und Italien – es war toll, dabei sein zu können.

Prosper Philipp